Die leise Rückkehr zu mir selbst

Es gibt Zeiten, in denen wir viel geben.

Wir kümmern uns um andere Menschen, übernehmen Verantwortung in unserem Beruf, organisieren den Alltag, erledigen, planen und funktionieren. Oft geschieht das ganz selbstverständlich. Wir möchten, dass alles gut läuft – für unsere Familie, für unsere Kolleginnen und Kollegen, für unsere Kundinnen und Kunden oder für Menschen, die auf uns zählen.

Dabei vergessen wir manchmal, dass auch wir selbst nicht jeden Tag dieselben Voraussetzungen mitbringen.

Es gibt Tage, an denen wir voller Energie sind. Und dann gibt es Tage, an denen wir schlechter geschlafen haben, etwas Belastendes erlebt haben oder unser Nervensystem einfach nach mehr Ruhe verlangt. Unser Energielevel verändert sich – und das darf es auch.

Dennoch erwarten wir oft von uns, jeden Tag gleich leistungsfähig zu sein.

Mit der Zeit kann es passieren, dass wir die Verbindung zu unseren eigenen Bedürfnissen etwas verlieren. Nicht, weil sie nicht mehr da wären – sondern weil wir so sehr daran gewöhnt sind, nach aussen zu schauen.

Und doch gibt es sie, diese leise Stimme in uns.

Sie meldet sich vielleicht als Müdigkeit, als innere Unruhe, als Gereiztheit oder einfach als das Gefühl:

So kann es heute nicht weitergehen.

Diese Stimme ist oft erstaunlich klar. Sie weiss meist schon lange, was uns guttun würde. Nicht weil sie laut ist, sondern weil sie ehrlich ist.

Die Frage ist selten, ob sie spricht. Viel häufiger ist die Frage, ob wir bereit sind, ihr zuzuhören.

Vielleicht beginnt genau dort Selbstfürsorge.

Nicht indem wir unser ganzes Leben umkrempeln oder alle Verpflichtungen loslassen. Sondern indem wir einen Moment innehalten und uns fragen:

Wie geht es mir gerade?

Was brauche ich heute?

Was würde mir jetzt guttun?

Vielleicht sprechen wir dabei mit uns selbst so liebevoll, wie wir es mit einer guten Freundin tun würden.

Oft sind es die kleinen Dinge, die unserem Nervensystem zeigen:

Ich nehme dich wahr.

Vielleicht bedeutet das heute, freundlich Nein zu sagen. Eine Pause etwas länger werden zu lassen. Das Handy bewusst einmal liegen zu lassen und Nachrichten nicht sofort zu beantworten. Ein paar ruhige Atemzüge zu nehmen. Oder für einige Minuten nach draussen zu gehen und den Himmel zu betrachten.

Ein Nein im Aussen kann manchmal ein liebevolles Ja zu dir selbst sein.

Denn jedes Mal, wenn du deine Bedürfnisse ernst nimmst, stärkst du die Verbindung zu dir selbst. Und genau dort entsteht oft ein Gefühl von mehr Ruhe, mehr Freiheit und mehr innerer Weite.

Nicht durch Perfektion. Sondern durch kleine Momente, in denen du dir selbst wieder begegnest.

Eine kleine Frage für dich:

Wann habe ich mich das letzte Mal ganz bewusst gefragt:

Was brauche ich gerade wirklich?

Vielleicht nimmst du dir heute einen kleinen Moment Zeit für diese Frage.

Nicht, um sofort etwas verändern zu müssen. Sondern einfach, um dir selbst wieder zuzuhören.

Denn manchmal beginnt Selbstfürsorge genau dort – in diesem stillen Moment, in dem wir uns selbst wieder wahrnehmen.

Von Herzen,
Melanie